12.03. – Safari



Heute stand eine morgendliche Safari und gemeinsames Musizieren und Arbeiten auf dem Programm.

Nachdem wir gestern rechtzeitig ins Bett gegangen waren, standen wir heute um vier Uhr morgens auf, denn unsere Safari sollte um halb fünf beginnen. Unser Safari-Guide wartete am Fahrzeug auf uns. Dieses war eine Art offener Bus, der neben den regulären Scheinwerfern auch nach links und rechts Leuchten besaß. Alle Plätze waren besetzt; Da der Bus nur zwanzig Plätze hatte, hatten sich schon gestern vier Lesedi-Sängerinnen freiwillig von der Safari ab- und zum Ausschlafen angemeldet.

Nach einer kurzen Einweisung durch unseren Guide fuhren wir pünktlich vom Camp los, aufgeregt, welche Tiere wir antreffen würden. Anfangs konnten wir nur so weit sehen, wie die Scheinwerfer reichten, denn die Sonne war noch nicht aufgegangen. Eine halbe Stunde lang fuhren wir jedoch auf der asphaltierten Straße, bevor wir zum ersten Mal einem Tier begegneten. Es war eine Eule, die uns aus einem der Bäume am Straßenrand anglotzte. Unser Guide erklärte uns, dass sie dort auf Beute wartete, die die Straße überquert. Er sagte auch, dass Eulen in Afrika einen schlechten Ruf haben, der nicht begründet sei.

Nach einer weiteren halben Stunde trafen wir auf eine kleine Gruppe Hyänen. Sie bemerkten uns natürlich wegen des lauten Motors, beachteten uns aber nicht weiter. Sie blieben einfach am Straßenrand stehen oder liefen vor dem Auto vorbei. Anscheinend haben sich die Tiere im Park an Autos gewöhnt und betrachten sie nicht als Gefahr.


Unser Camp scheint in einem Wald aus niedrigen Bäumen zu liegen. Während wir uns dem Camp entfernten, wurden die Bäume spärlicher und ließen Gräser und Sträucher hervor. Daher waren wir in relativ offenen Gelände, als es anfing, hell zu werden. Das war offenbar geplant: Der Guide erklärte uns, dass die meisten Tiere diese Vegetation bevorzugen, da sie weniger Deckung für Raubtiere bietet. Somit hatten wir die Gelegenheit, bei Sonnenaufgang viele Tiere zu sehen. Und tatsächlich trafen wir, sobald es nicht mehr ganz dunkel war, auf eine kleine Elefantenfamilie. Es war eine Mutter mit zwei Kindern. Zunächst überquerte die Mutter die Straße, mit einem Elefantenbaby im Schlepptau. Um sicherzugehen, dass wir ihrem Baby nicht zu nahe kommen, grunzte sie uns warnend an, und nahm das Baby an ihre uns abgewandte Seite.

Als die Mutter und das Baby schon durch die Büsche auf der anderen Straßenseite gegangen waren, tauchte das zweite Elefantenkind auf. Es war schon etwas größer, und möglicherweise in der Pubertät: Es spielte sich groß vor uns auf, grunzte uns nochmal mit etwas mehr Nachdruck an, und ging rückwärts seiner Mutter nach, um uns noch eine Weile im Auge zu behalten.


Kurz darauf, um sechs Uhr, muss die Sonne aufgegangen sein. Leider war der Himmel so bewölkt, dass wir den Sonnenaufgang nicht beobachten konnten. Stattdessen trafen wir nach nur wenigen hundert Metern auf die nächste Tierart: eine kleine Gruppe Zebras. Wie der Guide uns erklärte, handelt es sich bei den Zebras im Kruger-Nationalpark um Steppenzebras. Diese unterscheidet man von den Bergzebras anhand der Streifen, die beim Steppenzebra bis zum Bauch reichen, beim Bergzebra jedoch nur bis an die Seiten.


Nun fuhren wir von der asphaltierten Straße ab und erreichten auf einer lehmigen Seitenstraße ein Wasserloch, an dem sich der Guide wohl viele saufende Tiere erhoffte. Auf unserer Seite hatte sich eine Gruppe von Vögeln versammelt, und auf der gegenüberliegenden Seite sahen wir einige Antilopen. Erst bei genauerem Hinsehen erkannten wir am gegenüberliegenden Ufer auch zwei Nilpferde, die bis auf Augen und Nasenlöcher untergetaucht waren.



Als wir auf die asphaltierten Straße zurückkamen, lief vor uns ein gehörntes Tier über die Straße, das wir zunächst nicht einordnen konnten. Eine Recherche nach der Safari ergab, dass es sich um ein Streifengnu handelt. Nur wenige Meter weiter begegnete uns eine Giraffenfamilie. Wie bei der Elefantenfamilie handelte es sich um eine Mutter mit einem Baby und einem größeren Kind. Das Giraffenbaby hatte sogar noch seine Nabelschnur! Obwohl es so jung war, hatte es genausowenig Scheu vor uns wie seine Mutter.



Ab diesem Zeitpunkt begegneten wir immer wieder Zebras, Hyänen, Giraffen, vor allem aber vielen Antilopen. Die letzteren trafen wir auch in größeren zweistelligen Gruppen an. Nun unser Guide noch versuchen, Löwen zu finden. Dazu fuhren wir weit in den Park hinein. Die Landschaft wurde hügeliger, und wir fuhren an großen Felshügeln vorbei, die wie künstlich aufgestapelt aussahen. Immer wieder fragte der Guide entgegenkommende Park-Ranger, ob sie einen Tipp hätten. (Wir waren bei weitem nicht die einzigen, die hier unterwegs waren). An einer Wasserstelle neben einem Felshügel hielten wir, und der Guide zeigte uns Tierspuren, die er ohne zu zögern als jene von drei Löwen-Weibchen identifizierte. Sie führten zu dem Felshügel. Dort angekommen, waren wir nicht die einzigen, die Ausschau hielten. Leider mussten wir uns mit dem Wissen begnügen, dass die Löwen in der Nähe waren; vielleicht hatten sie sich mit Absicht etwas abseits der Straße versteckt, um ihre Ruhe zu haben.


Ein wenig enttäuscht machten wir uns auf den Rückweg. Die Heimfahrt dauerte trotz Ferrari-Fahrstils eine weitere Stunde, und fast alle schliefen zwischenzeitlich ein. Um halb zehn waren wir zurück. Hungrig und müde machten wir uns auf zum Frühstück oder ins Bett. Das Frühstück schmeckte nach den fünf Stunden auf Tour besonders gut.

Am Nachmittag trafen wir uns ausgeruht im Freien, um unseren musikalischen Austausch fortzusetzen. Diesmal lernten zunächst die Lesedis zwei deutsche „Songs“, und zwar die Kanons „Es tönen die Lieder“ und „Viel Glück und viel Segen“. Dann wiederholten Thabang und die Lesedis mit uns „Sim“, „Hey Wena Africa“ und „Sthandwa sam“. Diese müssen wir auswendig können, da wir sie bei unserem letzten Konzert, das am Samstag stattfindet, gemeinsam singen werden. Wir lernten auch weitere Tanzschritte; doch die Anweisung, für einen bestimmten Teil die Tanzbewegungen zu improvisieren, führte bei uns Deutschen noch nicht zur gewünschten Coolness.

Nach einer kurzen Pause stellte Cornelius die Grundlagen der westlichen Musiknotation vor. Den Lesedis ist diese zwar bekannt, aber die meisten von ihnen haben nie gelernt, sie zu lesen. Stattdessen lernen sie neue Songs durch Vorsingen und gemeinsames Üben; zum Teil auch indem sie mit dem Handy Tonaufnahmen erzeugen. Beide Methoden haben Vor- und Nachteile: Durch die mündliche Weitergabe kann beispielsweise auch ein emotionaler Aspekt kommuniziert werden, der in schriftlicher Form nicht dasselbe ist. Außerdem führt die Abwesenheit von schriftlichen Noten während der Proben und während der Konzerte dazu, dass der (Blick-)Kontakt stärker ist. Schriftliche Noten haben den Vorteil, dass der Komponist musikalische Nuancen festhalten kann, die auch nach Jahrhunderten noch unverändert sind.

Um dazu beizutragen, dass auch die südafrikanischen Songs der Lesedis nachhaltig bestehen können, verbrachten wir den Rest des Nachmittages vor dem Abendessen damit, sie in Notenform zu bringen. Dazu teilten wir uns in kleine Gruppen auf und schrieben auf, was die Lesedis uns vorsangen. Dabei merkten wir, dass die synkopischen Rhythmen uns oft Schwierigkeiten bereiten.

Nach dem Abendessen im Camp-eigenen Restaurant stimmten die Lesedis nochmal ihre Hits an, die besonders von den Kellnerinnen und Kellnern begeistert angenommen wurden. Eigentlich wollten wir nach dem Abendessen noch weiterarbeiten, doch nach dem langen Tag war die Konzentration jetzt am Ende. Daher verabredeten wir uns nur für die morgige Abfahrt, und verabschiedeten einander bis dahin.

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des BMZ

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